Medizinisch geprüft von Dr. Ludger HannekenÄrztlicher Leiter · Smart Dry Eyes

Omega-3-Fettsäuren werden häufig bei Trockenen Augen empfohlen. Doch was ist tatsächlich dran? Kann die Ernährung die Augenoberfläche und den Tränenfilm beeinflussen?
In diesem Beitrag erklären wir verständlich, was Omega-3 möglicherweise bewirken kann, wo die Grenzen liegen und welchen Stellenwert eine ausgewogene Ernährung bei der Behandlung des Trockenen Auges hat.
Kann die Ernährung das Trockene Auge beeinflussen?
Ja, möglicherweise – allerdings ist der Einfluss begrenzt.
Der Tränenfilm enthält unter anderem Lipide, die dazu beitragen, die Verdunstung der wässrigen Tränenkomponente zu verringern. Die Ernährung beeinflusst den Fettstoffwechsel des Körpers und kann damit möglicherweise auch Faktoren beeinflussen, die für die Zusammensetzung des Tränenfilms relevant sind.
Wichtig ist jedoch, die Erwartungen realistisch zu halten: Eine Ernährungsumstellung heilt ein Trockenes Auge nicht und ersetzt keine gezielte Behandlung. Sie kann vielmehr eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Maßnahmen sein.
Warum Omega-3 so viel Aufmerksamkeit bekommt
Omega-3-Fettsäuren werden bei Trockenen Augen besonders häufig untersucht. Ein Grund dafür ist, dass bestimmte Omega-3-Fettsäuren an Entzündungsprozessen im Körper beteiligt sind.
Da Entzündungen bei vielen Formen des Trockenen Auges eine Rolle spielen können, liegt die Vermutung nahe, dass Omega-3 auch die Beschwerden beeinflussen könnte.
Auch ein möglicher Zusammenhang mit der Funktion der Meibom-Drüsen wird diskutiert. Diese Drüsen produzieren die Lipidkomponente des Tränenfilms, die dazu beiträgt, die Verdunstung der Tränen zu reduzieren.
Die Studienlage ist allerdings nicht eindeutig. Einige Untersuchungen zeigen einen möglichen Nutzen, andere konnten keinen klaren Vorteil von Omega-3-Präparaten gegenüber Placebo nachweisen. Deshalb sollte Omega-3 nicht als alleinige oder garantiert wirksame Behandlung des Trockenen Auges betrachtet werden.
Omega-3 und Omega-6
Es kommt nicht nur auf die Menge an Omega-3 an, sondern auf die gesamte Zusammensetzung der Ernährung.
Omega-6-Fettsäuren sind ebenfalls wichtige und notwendige Bestandteile unserer Ernährung. Sie kommen unter anderem in vielen pflanzlichen Ölen und zahlreichen verarbeiteten Lebensmitteln vor. Eine ausgewogene Ernährung sollte daher nicht darauf abzielen, Omega-6 grundsätzlich zu vermeiden, sondern insgesamt auf eine gute Qualität und Vielfalt der Fettquellen zu achten.
Statt einzelne Fettsäuren isoliert zu betrachten, ist eine abwechslungsreiche, möglichst wenig verarbeitete Ernährung meist der sinnvollere Ansatz.
Die besten Nahrungsquellen für Omega-3
Eine ausgewogene Ernährung ist ein guter Ausgangspunkt. Zu den wichtigsten Omega-3-Quellen gehören:
- Fetter Fisch wie Lachs, Makrele, Sardinen und Hering liefert die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.
- Leinsamen und Leinöl enthalten vor allem die pflanzliche Omega-3-Fettsäure ALA.
- Chiasamen und Walnüsse sind ebenfalls gute pflanzliche Quellen für ALA.
- Algen bzw. Algenöl können eine pflanzliche Quelle für EPA und insbesondere DHA sein.
Darüber hinaus ist eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und möglichst wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln sinnvoll – nicht nur für die Augen, sondern für die allgemeine Gesundheit.
Was ist mit Omega-3-Nahrungsergänzungsmitteln?
Wenn Sie nur selten fetten Fisch essen, kann ein Omega-3-Präparat eine Möglichkeit sein, die Aufnahme von EPA und DHA zu erhöhen.
Dabei sollten Sie einige Punkte beachten:
- Die Qualität und Zusammensetzung der Präparate unterscheiden sich deutlich. Achten Sie auf die tatsächlich enthaltene Menge an EPA und DHA und nicht nur auf die Gesamtmenge an „Fischöl“ oder „Omega-3“.
- Geduld ist wichtig. Falls ein Präparat überhaupt einen positiven Effekt auf das Trockene Auge hat, ist dieser nicht innerhalb weniger Tage zu erwarten.
- Nicht automatisch höher dosieren: Mehr Omega-3 bedeutet nicht zwangsläufig eine bessere Wirkung.
- Bei bestimmten Erkrankungen oder bei der Einnahme von Medikamenten, insbesondere Blutverdünnern, sollten Sie die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen.
Wo Ernährung hilft – und wo ihre Grenzen liegen
Ernährung und Omega-3 sollten als unterstützende Maßnahmen betrachtet werden, nicht als alleinige Behandlung.
Wenn beispielsweise die Meibom-Drüsen verstopft oder entzündet sind, lässt sich dieses Problem nicht allein durch eine Ernährungsumstellung beheben. In solchen Fällen kann eine gezielte Lidpflege oder eine andere ursachengerichtete Behandlung notwendig sein.
Am sinnvollsten ist deshalb ein ganzheitlicher Ansatz: Eine ausgewogene Ernährung kann die Behandlung langfristig unterstützen, während die eigentliche Ursache des Trockenen Auges gezielt behandelt wird.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis Omega-3 wirkt?
Falls Omega-3 bei einer bestimmten Person einen positiven Effekt auf die Beschwerden hat, ist dieser nicht innerhalb weniger Tage zu erwarten. In Studien wurden Effekte meist über einen längeren Zeitraum untersucht.
Eine Wirkung kann daher – wenn überhaupt – erst nach mehreren Wochen oder Monaten beurteilt werden.
Reicht Omega-3 allein gegen trockene Augen?
Nein. Omega-3 kann eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzt aber keine Untersuchung und keine ursachengerichtete Behandlung.
Je nach Ursache können beispielsweise Lidpflege, geeignete Augentropfen oder Verfahren wie IPL oder Tixel infrage kommen.
Pflanzliches oder Fisch-Omega-3 – was ist besser?
Fisch- und Algenöl liefern EPA und/oder DHA direkt. Pflanzliche Quellen wie Leinsamen, Chiasamen und Walnüsse enthalten vor allem ALA.
Der Körper kann ALA zwar in EPA und DHA umwandeln, allerdings nur in begrenztem Umfang. Wenn gezielt EPA und DHA aufgenommen werden sollen, sind Fisch oder Algenöl daher die direkteren Quellen.
Finden Sie die Ursache Ihrer trockenen Augen
Omega-3 kann eine sinnvolle Ergänzung sein – aber es ist selten die ganze Antwort.
Machen Sie den validierten Trockene-Augen-Test oder vereinbaren Sie einen Beratungstermin. Wir helfen Ihnen herauszufinden, welche Faktoren hinter Ihren Beschwerden stehen und welche Behandlung für Sie sinnvoll sein könnte.
Lieber persönlich? Finden Sie eine Smart-Dry-Eyes-Klinik in Ihrer Nähe – in Deutschland, der Schweiz, Andorra oder Mexiko.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Augenärztin oder einen Augenarzt.



